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Samstag, 20. November 2010

Plenum 17.11. Protokoll

Protokoll zum Plenum 17.11.2010

Genau ein Jahr nach dem ersten Plenum versammelten sich circa 50 Studierende erneut im Audimax zu einer gemeinschaftlichen Diskussion über den Bildungsstreik.

Mit dem angekündigten Titel "Rückblick und Ausblick" begann der erste Referent die Sitzung. Er beleuchtete den Beginn des Bildungstreiks in Rostock, den damals erarbeiteten Forderungskatalog und die spätere Plenumsentscheidung, das Audimax friedlich zu besetzen.

Die Kernforderungen waren:
1. Das oberste Ziel ist eine zur kritischen Reflexion befähigende und am Gemeinwohl orientierte Bildung entsprechend dem humanistischen Bildungsideal.
2. Bildung darf nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst sein.

3. Forschung und Lehre sollen eine Einheit bilden.
Die restlichen Forderungen sind einsehbar unter: http://www.asta.uni-rostock.de/sites/default/files/Forderungenskatalog_StuRa+Plenum.pdf

Er berichtete, wie sich die Streikenden in den AGs formierten und die ersten Aktionen planten. Sehr erfolgreich waren dabei die Straßenbahnvorlesung, die verdeutlichte, wie eng es in einer Vorlesung manchmal sein kann, der Bildungstrauerzug, bei dem symbolisch die Bildung zu Grabe getragen wurde, da es unter diesen Umständen nicht möglich sei, Bildung zu praktizieren. Und natürlich 'Bildung im Stillstand', dieser so genannte Freeze wurde auf dem Weihnachtsmarkt durchgeführt. Zudem kamen: Tanzen für die Bildung, das Straßentheater, die öffentliche Verleihung des (negativen) Zertifikats für Bildunsgminister Tesch, die Fahrraddemo und natürlich die beiden Großdemonstrationen, welche nicht nur von Rostocker Studierenden sondern auch von Schülern und Azubis sowie Studierenden aus anderen Städten gut besucht waren.
Ein besonderes Augenmerk legte der Referent auf den Bildungskeller, den studentischen Freiraum, inklusive VoKü und Filmabenden sowie Plenumsdiskussionen und regelmäßigen Treffen.

Der zweite Referent zog eine Bilanz zu den Forderungen die aufgestellt wurden, und beleuchtete sowohl erreichte Ziele, als auch bisher nicht erreichte.
So ist die Bildung immernoch keine Bundessache, doch wurde der Baföghöchstsatz um die marginale Summe von 13 Euro angehoben, dies heißt jedoch nicht, das es in der Praxis auch 13 Euro mehr gibt, geschweige denn, dass der Höchstsatz häufiger bewilligt wird.
Auch die finanzielle Stärkung des Bildungssystems bzw. die finanzielle Unabhängigkeit von der Wirtschaft wurde nicht erreicht.
Zwar ist unsere Universität bisher noch ohne Studiengebühren, doch habe sich an der allgemeinen Studiensituation nichts verbessert. Der Bachelor/Master ist noch ebenso unflexibel (teils gab es eine noch stärkere Modularisierung der Studiengänge). Das Lehramtsstudium gestaltet sich immer noch als beinah unrealisierbar. Auch die Zugangsbedingungen zur Universität wurden nicht verändert/verbessert. Zudem wurden auch die Abstimmung der Fakultäten, im Sinne eines machbaren Studiums, zwar im Zuge der Bologna-Woche angegangen, jedoch gab es auch aus dieser Anhörung keinerlei Konsequenzen, oder gar Veröffentlichung der Ergebnisse oder Protokolle.
Die Ausstattung der Bibliotheken ist immer noch in keinem guten Zustand. Lediglich wurde vieles zentralisiert und in die Südstadt verschoben.
Die Abschaffung der Anwesenheitspflicht wurde zwar, auch von universitärer Seite, befürwortet, dennoch nehmen sich einige ProfessorINNen diese Entscheidung nicht zu Herzen und bleiben bei der Anwesenheitspflicht (auch bei Vorlesungen), welche auch durch Ausweiskontrollen bis heute kontrolliert werden.
Die geforderte Barrierefreiheit wurde nur marginal angegangen.
Bis auf einige minimalen Häppchen, welche die Studierenden wohl lediglich ruhig stellen sollten, sei außer bloßen Lippenbekenntnissen nicht viel passiert.

Heiko Marski und Christian Berntsen meldeten sich zu Wort:
Die To-Do-Listen, welche im Zuge der Bologna-Woche erarbeitet wurden, wären bereits in Angriff genommen worden und teils auch schon umgesetzt.
Das LSF habe die Koordinierung der Veranstaltung bereits dieses Wintersemester wesentlich verbessert.
Auch die Unileitung sei an ihren Etat gefesselt und könne nur auf das Land verweisen. Für viele Forderungen fehle schlichtweg das Geld. Besagte Eltern-Kind-Räume wären im Rahmen der Möglichkeiten bereits eingerichtet worden, einer davon ist im Haus 3 (Ulme). Weitere KiTa-Plätze und andere Betreuungsangebote seien selbstverständlich in Planung.

Einige Forderungen, wie beispielsweise die CO2-Neutralität, seien sehr hohe Forderungen, die nur langsam und allmählich angegangen werden können.

Es gäbe noch einige Probleme, die man in den gegebenen Möglichkeiten natürlich angehen würde.

Bei Verstößen seitens der ProfessorINNen, welche die Anwesenheit immer noch kontrollierten, solle man dies bitte dem AStA oder StuRa melden.

Deshalb auch nochmals der Aufruf an alle Studierende: Sollten sich durchgesetzte Forderungen nicht so in der Realität präsentieren, wie sie beschlossen wurde, meldet euch dringend bei Heiko Marski oder Christian Berntsen und beschwert euch zusammen mit dem AStA und dem StuRa, euren Vertretern. Nur so kann etwas passieren, und nur so kann sich auch eure individuelle Situation verbessern.
Natürlich auch bei Problemen, Verbesserungsvorschlägen, Anfragen etc. wendet euch an eure studentischen Vertreter!

Debattiert wurde daraufhin noch recht hitzig über die Marketing-Strategie, die auch bei STuRa und ASta noch auf viele Fragen gestoßen sind.


Auch auf den ABIKO, den Alternativen Bildungskongress, welcher an diesem Wochenende (19. – 21. 11. 2010) stattfindet, wurde eingehend verwiesen (weitere Informationen unter: http://stadtgestalten.org/peter/abiko-alternativer-bildungskongress-rostock). Wer sich weiter engagieren will, alternativ zu den studentischen Gremien, hat dieses Wochenende die Chance, mit Abgeordneten in breiter Masse zu diskutieren, seine Ideen und seinen Missmut Kund zu geben.

Die große Frage des Abends kam auch zur Diskussion, der Ausblick.
In wie weit ist der Bildungsstreik außerhalb der Gremienstruktur noch sinnvoll, soll diese Alternative bestehen bleiben?

Allgemein wird diese Alternative befürwortet und gefordert. Die weitere Vernetzung mit SchülerINNen, Auszubildenden, Gewerkschaften, und diversen Interessengruppen wurde vorgeschlagen. Die weitere Diskussion um den Bildungsstreik und die Entscheidung ob eine Initiative weitergeführt werden soll, wurde auf das nächste Bidlungskeller-Plenum (22.11.2010 um 19:00 Uhr) vertagt.

Die Veranstaltung wurde gegen 21 Uhr mit der Vertagung der Entscheidung und der Befürwortung der weiter laufenden Aktionen beendet.

Mit solidarischen Grüßen, die Protokollantin.